Infos aus dem Bundeskongress

In Lippstadt fand gestern eine Präsidiumssitzung und dann nachmittags der Kongress des Schachbund NRW statt. Ich möchte Euch hier über die aus meiner Sicht wichtigsten Infos zu den beiden Veranstaltungen berichten:

NRW-Präsident Chadt-Rausch berichtete unter anderem ein wenig von der Arbeit des DSB. In Erinnerung geblieben sind mir die folgenden Punkte:

  • Der DSB denkt offenbar über die Einführung eines «Ticket»-Wahlsystems nach. Hier werden nicht einzelne Positionen auf Funktionärsebene gewählt, sondern im Prinzip immer ganze Teams. Ein System, das in ähnlicher Form bereits bei der FIDE und beim französischen Schachverband existiert. Allerdings ist für eine Einführung hier eine Satzungsänderung erforderlich.
  • Seit längerem plant der DSB ein neues Datenverarbeitungssystem. Eine evaluierte Software steht in der engeren Auswahl, diese kostet einmalig € 100.000,-. Auf den SBNRW würde bei Einführung ebenfalls Kosten von mindestens € 10.000,- jährlich(!) zukommen. Ralph Chadt-Rausch kritisierte meiner Meinung nach zurecht, dass der DSB bisher keine genaueren Angaben zu den laufenden Kosten machen kann.
  • Der Schachbezirk Mülheim wurde aufgelöst, Mitglied waren hier wohl nur noch zwei Vereine.
  • Finanziell steht der Schachbund (nach meiner persönlichen Einschätzung) sehr gut da, obwohl er im vergangenen Jahr ein leichtes Minus gemacht hat. Interessierten kann ich die Bilanz/den Finanzplan zukommen lassen.

Ich habe kurz über die vergangene bzw. noch laufende Saison im Schachverband Münsterland berichtet und auch einen Ausblick zur kommenden Saison geliefert, bzw. Dinge angesprochen, die wir bereits hier im Vorstand und Spielausschuss diskutiert haben. Die Vertreter einiger anderer Verbände haben gerade zu unseren Ideen für die kommende Saison interessiert nachgefragt. Ein Thema war natürlich auch wieder eine eventuell drohende Maskenpflicht im Herbst, neue Erkenntnisse gab es aber nicht.

Das Thema «Bezirkssterben» lag auch auf dem Tisch, allerdings gingen die Wortbeiträge des geschäftsführenden Präsidiums auch hier kaum über Allgemeinplätze hinaus. Caro und ich hatten gerade zu dem Thema etwas ausgearbeitet. Danke an dieser Stelle noch einmal an Carolin, die die Hauptarbeit mit der Erstellung der Tabellen hatte. Wir hatten uns unter anderem die Mitgliederentwicklung und Anzahl der Mannschaften in den einzelnen Verbänden und Bezirken angeschaut. Dabei ist mir etwas aufgefallen, was eigentlich logisch ist und auf der Hand liegt.

2019 wurde die NRW-Ebene um vier (40 Mannschaften) auf sieben Ligen (70 Mannschaften) erhöht. Die Gründe für diese massive Aufstockung habe ich leider auch gestern nicht wirklich verstanden. Fakt ist aber, dass bei fast gleichbleibender Mitgliederzahl (17.973 zum 1.1.2020 gegenüber 18.001 zum 1.1.2019) 64 Mannschaften weniger in den Bezirken und Verbänden des Schachbund NRW gemeldet wurden. Die Einführung der vier NRW-Klassen hat also massiv zum Schwund in den unteren Ebenen beigetragen. Wer die beiden Excelsheets haben möchte, bitte melden, ich kann sie leider hier nicht hochladen. Als ods (Libre Office) jetzt doch angehängt.

Leider sahen das die Präsidiumsmitglieder am Podium mit einer Ausnahme nicht so. Da 2024 oder 2025 wahrscheinlich eine Reform der 2. Bundesliga ansteht, bei der auch die Einführung einer neuen 3. Liga angedacht ist, sollten wir das Thema auf jeden Fall im Auge behalten. Die NRW-Vertreter im entsprechenden Ausschuss scheinen nämlich eine Einführung dieser 3. Liga zu befürworten. Nur, wenn man bei einem Haus andauernd oben weitere Stockwerke bauen möchte, müssen die Steine irgendwo herkommen. Da die Mitgliederzahl tendenziell eher sinkt, steht zu befürchten, dass diese Reform wieder negative Auswirkungen auf die unteren Verbände haben wird.

Im Kongress am Nachmittag wurden neben zahlreichen Ehrungen hauptsächlich formale, aber notwendige Satzungsänderungen behandelt. Ebenso wurde kurz das bereits 2018 angefangene Projekt «Strukturreform» erwähnt. Da ich zu jenem Zeitpunkt noch nicht dabei war, kann ich jetzt inhaltlich nicht viel dazu sagen. Die Verbandsvorsitzenden sollen jedoch demnächst mit Informationen zum aktuellen Stand versorgt werden.

Leider nutzen die Teilnehmer die Gelegenheit nicht, über die Auswirkungen von zwei Jahren Corona zu berichten und zu diskutieren, bzw. Ideen für zukünftige Jahre auszutauschen Die Veranstaltung war zwar von 14 bis 18 Uhr angesetzt, ich hatte aber nicht den Eindruck, dass der Kongress beim letzten Punkt «Verschiedenes» noch Lust hatte, sich mit diesem unangenehmen Thema zu beschäftigen. Deshalb - und nach meinen Erfahrungen aus dem Vormittag - habe ich mich an der Stelle auch nicht mehr zu Wort gemeldet. Gegen 16:30 Uhr hatten wir dann Feierabend.

Achim Müller
SV Münsterland
1. Vorsitzender


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